Wer altersbeschränkte Ware verschickt, muss zweimal prüfen: einmal im Shop, bevor das Paket gepackt wird, und einmal an der Haustür, bevor es übergeben wird. Die erste Stufe liegt in Ihrer Hand. Die zweite kaufen Sie beim Paketdienst ein – und dort heißen die Leistungen überall anders, prüfen Unterschiedliches und kosten Unterschiedliches. Dieser Beitrag stellt zusammen, was die Anbieter tatsächlich auf ihren eigenen Seiten zusagen.
Stand: 3. November 2026. Alle Angaben stammen von den Seiten der Anbieter, die unten verlinkt sind. Preise tragen dort kein Datum – lassen Sie sie sich vor Vertragsabschluss bestätigen. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Warum die Zustellung die zweite Stufe ist

§ 10 Abs. 3 und 4 JuSchG verbieten, Tabakwaren und nikotinhaltige Erzeugnisse – ausdrücklich auch nikotinfreie E-Zigaretten und E-Shishas – im Versandhandel an Kinder und Jugendliche abzugeben. Die Rechtsprechung leitet daraus zwei Pflichten ab: Das Alter muss vor dem Versand feststehen, und es muss sichergestellt sein, dass die Sendung danach nicht von einem Minderjährigen entgegengenommen wird. Welches Verfahren im Shop genügt, steht im Beitrag Altersverifikation im Onlineshop; wie man die Prüfung technisch in einen JTL-Shop einbaut, im Beitrag Altersprüfung im JTL-Shop einrichten.
Hier geht es um die zweite Stufe. Und die ist keine Formsache: Ein Shop mit tadelloser Prüfung im Bestellvorgang, der anschließend in die Packstation liefern lässt, hat die Kette an der schwächsten Stelle offen.
Die Leistungen im Vergleich
| Leistung | Was geprüft wird | Altersstufen | Preis laut Anbieter |
|---|---|---|---|
| DHL Alterssichtprüfung | Ausweis, wenn für die Zustellkraft nicht offensichtlich ist, dass das Mindestalter überschritten ist | 16 oder 18 | 1,19 € zzgl. MwSt. je Paket |
| DHL Ident-Check | Ausweis wird immer geprüft und mit dem Handscanner erfasst | Mindestalter und/oder Geburtsdatum frei vorgebbar | 2,99 € zzgl. MwSt. je Paket |
| DHL Persönliche Übergabe | Ausweis nur, wenn der Empfänger der Zustellkraft nicht bekannt ist | keine | 1,69 € zzgl. MwSt. je Paket |
| DPD ID-Check | Ausweisprüfung, Name auf dem Paket muss exakt mit dem Ausweis übereinstimmen | keine | kein Preis auf der Seite, Angebot je Kunde |
Alle vier Leistungen sind Geschäftskundenleistungen. Über ein Privatkundenkonto lassen sie sich nicht buchen.
Der Unterschied, der in der Praxis zählt
Zwischen Alterssichtprüfung und Ident-Check liegen 1,80 Euro je Paket – und eine grundsätzlich andere Logik.
- Die Alterssichtprüfung ist eine Sichtprüfung mit Ausweis im Zweifel. Sieht der Empfänger erkennbar aus wie Mitte dreißig, verlangt die Zustellkraft keinen Ausweis. Das ist schnell, alltagstauglich und für den Empfänger unaufdringlich. Es ist aber auch eine Ermessensentscheidung an der Haustür.
- Der Ident-Check prüft immer und dokumentiert. Der Ausweis wird gescannt, erfasst werden Vor- und Nachname, Geburtsdaten, ausstellende Behörde, Ausweisnummer und Staatsangehörigkeit. Das ergibt einen Nachweis – und erzeugt zugleich eine Datenverarbeitung, die in Ihre Datenschutzerklärung gehört.
Noch wichtiger als der Preis ist die Frage, wer das Paket annehmen darf. Bei der Alterssichtprüfung darf neben dem Empfänger auch eine Person aus dem Haushalt annehmen, sofern sie das Mindestalter erreicht hat; eine Übergabe an Bevollmächtigte ist mit besonderer Vollmacht möglich. Beim Ident-Check gilt das nicht: Dort ist die Übergabe an Bevollmächtigte ausdrücklich ausgeschlossen. Beim DPD ID-Check ebenso – „eine Übergabe an Dritte ist nicht möglich“, und der Name auf dem Paket muss exakt mit dem Ausweis übereinstimmen.
Das klingt nach einem Detail, entscheidet aber über Ihre Zustellquote. Jede Sendung, die niemanden antrifft, kommt ein zweites Mal – oder zurück. Die 1,80 Euro Aufschlag sind dagegen der kleinere Posten.
Ablage, Nachbar, Packstation
Eine Leistung, die eine Person prüft, verträgt sich nicht mit einer Zustellung ohne Person. Beim Ident-Check und beim DPD ID-Check steht ausdrücklich auf den Seiten, dass nur der Empfänger selbst annimmt. Bei der Alterssichtprüfung nennt DHL als Empfänger den Adressaten und Haushaltsangehörige, die das Mindestalter erreicht haben – eine Ablagevereinbarung passt dazu erkennbar nicht.
Praktische Folge für den Shop: Wenn Sie altersbeschränkte Ware verkaufen, dürfen Packstation und Wunschablage für diese Bestellungen nicht wählbar sein. Prüfen Sie das in Ihrer Kasse – nicht erst im Versandprogramm. Viele Shops bieten die Packstation als Adresstyp generell an und merken erst beim ersten Rückläufer, dass die Kombination gar nicht funktioniert.
Was die Leistung wirklich kostet
Der Aufschlag je Paket ist die sichtbare Hälfte. Rechnen Sie die andere mit:
- Zweite Zustellversuche und Retouren. Persönliche Übergabe heißt: Jemand muss da sein. Bei berufstätigen Empfängern ist der erste Versuch regelmäßig der erfolglose.
- Abbrüche in der Kasse. Wer die Packstation gewohnt ist und sie nicht wählen kann, bricht manchmal ab. Diesen Verlust sehen Sie nirgends auf einer Rechnung.
- Einrichtung und Pflege. Die Leistung wird im Geschäftskundenportal oder über die Versandschnittstelle beauftragt und muss in Ihrer Warenwirtschaft der richtigen Versandart zugeordnet sein. Diese Zuordnung ist die Stelle, an der es in der Praxis still schiefgeht: Die Versandart heißt im Shop richtig, in der Wawi liegt aber die Variante ohne Altersprüfung.
Deshalb lohnt der Blick auf die Zustellquote mehr als der auf den Aufschlag – allerdings erst, nachdem die rechtliche Frage geklärt ist. Und die fällt nicht zugunsten der günstigeren Leistung aus.
Der Haken an der Alterssichtprüfung
Die Alterssichtprüfung stellt fest, dass die Person an der Tür volljährig ist. Sie stellt nicht fest, dass es dieselbe Person ist, die bestellt hat. Genau daran ist sie gerichtlich gescheitert: Das OLG Frankfurt hat sie für eine rechtssichere Authentifizierung des Empfängers als ungenügend eingestuft (Urteil vom 07.08.2014, Az. 6 U 54/14), weil eine reine Alterskontrolle ohne Identitätsprüfung die Zuordnung zum Besteller nicht sicherstellt.
In der Praxis arbeiten dennoch viele Shops mit der Alterssichtprüfung – das Argument ist nachvollziehbar, weil ohnehin nur ein Erwachsener annehmen darf und der Schutzzweck damit erfüllt scheint. Es bleibt aber eine bewusste Abwägung, keine sichere Bank: Wer maximale Rechtssicherheit will, bucht den Ident-Check und zahlt die 1,80 Euro Aufschlag. Die ausführliche Begründung samt Gegenargumenten steht im Beitrag Altersverifikation im Onlineshop.
Was Sie im Shop vorbereiten müssen
- Eine eigene Versandart für altersbeschränkte Ware anlegen – und sie so benennen, dass man sie in der Warenwirtschaft wiedererkennt.
- Die Zuordnung in der Wawi prüfen, mit einer echten Testbestellung bis zum Versandetikett. Dass die Versandart „eigentlich“ richtig hinterlegt ist, hat schon viele Pakete ohne Altersprüfung losgeschickt.
- Packstation und Wunschablage sperren, sobald ein altersbeschränkter Artikel im Warenkorb liegt.
- Die Prüfung im Bestellvorgang an dieselbe Artikelkennzeichnung hängen wie die Versandart – sonst laufen beide Stufen auf unterschiedlichen Sortimenten.
- Die Datenschutzerklärung ergänzen, wenn Sie den Ident-Check einsetzen: Dort werden Ausweisdaten erfasst.
- Den Kunden vorwarnen. Ein Satz im Bestellvorgang – „Die Zustellung erfolgt nur gegen Altersnachweis, eine Ablage ist nicht möglich“ – spart Rückfragen und Rückläufer.
Was ich nicht belegen konnte
Zur Vollständigkeit, weil es in Vergleichsartikeln sonst gern unter den Tisch fällt: Auf den öffentlich einsehbaren Seiten von Hermes und UPS habe ich keine Leistung zur Altersprüfung gefunden. Das heißt nicht, dass es keine gibt – Geschäftskundenkonditionen stehen oft nicht im offenen Netz. Es heißt nur: Ich kann es nicht belegen, und Sie sollten dort direkt nachfragen, statt sich auf einen Vergleich zu verlassen, der diese Lücke verschweigt. Dasselbe gilt für GLS, das ich nicht geprüft habe.
Und eine Einordnung, die DHL selbst auf seiner Seite trifft: Es liege in der Verantwortung des Versenders zu prüfen, ob der gewählte Zustellservice den rechtlichen Anforderungen entspricht. Der Paketdienst verkauft Ihnen eine Leistung, keine Rechtssicherheit. Ob die Sichtprüfung für Ihr Sortiment genügt oder es der dokumentierte Ausweis-Check sein muss, ist eine juristische Frage – und eine, die Sie mit Blick auf Ihr konkretes Sortiment beantworten lassen sollten.
Häufige Fragen
Was kostet die Altersprüfung bei DHL?
Die Alterssichtprüfung kostet laut DHL 1,19 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer je Paket, der Ident-Check mit Ausweis-Scan 2,99 Euro, die persönliche Übergabe ohne Altersstufe 1,69 Euro. Die Seiten tragen kein Datum – lassen Sie sich die Preise vor Vertragsabschluss bestätigen.
Was ist der Unterschied zwischen Alterssichtprüfung und Ident-Check?
Die Alterssichtprüfung verlangt den Ausweis nur, wenn das Mindestalter nicht offensichtlich überschritten ist, und erlaubt die Übergabe an Haushaltsangehörige mit dem passenden Alter. Der Ident-Check prüft und scannt den Ausweis immer und lässt ausschließlich die Übergabe an den Empfänger persönlich zu. Rechtlich ist das kein Gleichstand: Das OLG Frankfurt hat die reine Alterssichtprüfung für die Authentifizierung des Empfängers als ungenügend eingestuft (Az. 6 U 54/14).
Kann ich altersbeschränkte Ware an eine Packstation schicken?
Nein. Eine Zustellung, bei der niemand geprüft wird, erfüllt die zweite Stufe nicht. Sperren Sie Packstation und Wunschablage im Bestellvorgang, sobald ein altersbeschränkter Artikel im Warenkorb liegt.
Reicht die Prüfung beim Paketdienst allein?
Nein. Die Rechtsprechung verlangt beide Stufen: die Prüfung vor dem Versand und die Sicherstellung, dass die Sendung nicht von einem Minderjährigen entgegengenommen wird. Wer nur an der Haustür prüft, lässt die erste Stufe offen.
Bieten Hermes, DPD oder UPS eine Altersprüfung an?
DPD bietet für Geschäftskunden einen ID-Check mit Ausweisprüfung und ausschließlich persönlicher Zustellung an; eine Altersstufe nennt die Seite nicht, einen Preis ebenso wenig. Für Hermes und UPS habe ich auf den öffentlich einsehbaren Seiten keine entsprechende Leistung gefunden – dort hilft nur die direkte Anfrage.
Welche Altersstufen gibt es?
Bei der DHL-Alterssichtprüfung wahlweise 16 oder 18 Jahre. Beim Ident-Check gibt der Versender Mindestalter und Geburtsdatum selbst vor, feste Stufen gibt es dort nicht.
Sie richten gerade einen Shop mit altersbeschränktem Sortiment ein und wollen beide Stufen sauber verzahnen? Schreiben Sie mir – das ist genau die Schnittstelle, an der in der Praxis die meisten Fehler sitzen. Den Gesamtüberblick über die Pflichten gibt die Seite Onlineshop in regulierten Branchen.
Quellen
- DHL: Alterssichtprüfung – Altersstufen, Ablauf, Preis
- DHL: Ident-Check – erfasste Ausweisdaten, Preis, Ausschluss von Bevollmächtigten
- DPD: Produkte und Zusatzservices für Geschäftskunden – ID-Check
- § 10 JuSchG – Versandhandelsverbot gegenüber Kindern und Jugendlichen



